Fahrbereite Lokomotiven

Lok 4 – Dampflok ELNA 6

 

1989 konnte die DFS diese 1930 von der “Berliner Maschinenbau-Actien-Gesellschaft” (BMAG), vormals L. Schwartzkopff unter der Fabriknummer 9963 gebaute Lokomotive erwer¬ben. Dabei handelt es sich um eine typische Privatbahnlokomotive aus dem ELNA-Programm. Die Abkürzung ELNA steht für “Engerer Lokomotiv-Normen-Ausschuss”. Dieser Ausschuss setzte sich nach dem Ersten Weltkrieg das Ziel, eine Typenreihe genormter Lokomotiven für Privat- und Kleinbahnen zu entwerfen. Über eine weitgehende, herstellerübergreifende Vereinheitlichung der Bauteile sollten den kostenbewussten Kleinbahnen preiswerte Lokomotiven und Er¬satzteile angeboten werden. Das ELNA-Programm sah sechs Grundtypen vor (ELNA 1 bis ELNA 6), von denen in der Praxis allerdings nur fünf gebaut wurden:
ELNA 2: 1´Ch2t mit 12 t Achsdruck
ELNA 3: Dh2t mit 12 t Achsdruck
ELNA 4: Ch2t mit 14 t Achsdruck
ELNA 5: 1´Ch2t mit 14 t Achsdruck
ELNA 6: Dh2t mit 14 t Achsdruck
Der gewünschte Einspareffekt bei Beschaffung und Unterhalt kam in der Praxis allerdings nur begrenzt zum Tragen, da viele Privatbahnen weiterhin auch ältere Lokomotiven einsetzten oder aber ab den dreißiger Jahren größere und leistungsfähigere Lokomotiven neu beschafften, die nicht den ELNA – Normen entsprachen. Insgesamt wurden zwischen 1922 und 1946 nur etwa 250 Maschinen des ELNA-Programms gebaut. Die Bauart ELNA 6 zu der die DFS – Lok zählt, war nicht nur die schwerste, sondern mit ca. 120 Exemplaren auch die am häufigsten gebaute Variante. Nur drei ELNA 6 – Lokomotiven haben bis heute überlebt.
Die vierfach gekuppelte Heißdampftenderlok mit einer Leistung von 600 PS wurde als Lok Nr. 2 der Hersfelder Kreisbahn in Dienst gestellt. 1961 gelangte sie zum Eschweiler Bergwerksverein (EBV) und tat bis 1987 als “ANNA 10” Dienst auf der Zeche Anna in Alsdorf bei Aachen.
Der harte Einsatz auf der Zechenbahn, von der die DFS die Lok übernahm, hinterließ seine Spuren an der eisenbahngeschichtlich wertvollen Maschine, die 1991 sogar in die Liste der beweglichen Denkmale aufgenommen wurde. So mussten im Rahmen einer aufwändigen Hauptuntersuchung im Reichsbahnausbesserungswerk Meiningen nicht nur der Kessel, sondern auch beide Dampfzylinder neu angefertigt werden.
Seit Herbst 1993 steht die Maschine der DFS voll betriebsfähig zur Verfügung. Aufgrund ihrer Leistungsfähigkeit und ihrer vergleichsweise einfachen Handhabung trägt die Maschine die Hauptlast des Dampfbetriebs im Wiesenttal. Die Lok repräsentiert bei der Museumsbahn – selbst eine Privatbahn im besten Sinne dieses Wortes – die Tradition der nichtstaatlichen Eisenbahnen in Deutschland. Darüber hinaus lässt die Gegenüberstellung mit der ebenfalls bei der DFS erhaltenen für die Deutsche Reichsbahn gebauten Einheits-Tenderlok 64 491 einen interessanten Vergleich der Normungsbestrebungen der Deutschen Reichsbahn auf der einen Seite und der Privatbahnen auf der anderen Seite zu. Dabei fällt auf, dass die entsprechenden Einheitslokomotiven der Reichsbahn für eine wesentlich höhere Geschwindigkeit sowie für eine größere Reichweite ausgelegt und deshalb erheblich schwerer sowie technisch aufwändiger ausgeführt wurden.

Bauart: Dh2t
Hersteller: BMAG
Fabriknummer: 9963
Baujahr: 1930
Leistung: 514 kW / 700 PS
Höchstgeschwindigkeit: 40 km/h
Länge über Puffer: 10.000 mm
Achsstand: 4.300 mm
Treibraddurchmesser: 1.100 mm
Dienstgewicht: 54 t
Kesselüberdruck: 12 bar
Rostfläche: 1,84 m²
Verdampfungsheizfläche: 88,1 m²
Überhitzerheizfläche: 31 m²
Zylinderdurchmesser: 520 mm
Kolbenhub: 550 mm
Kohlenvorrat: 1,84 t
Wasservorrat: 6 m³

Lok5 – Diesellok Köf 6204

Im Frühjahr 1981 erwarb die DFS diese ehemalige Kleinlokomotive der Leistungsklasse II von der damaligen Deutschen Bundesbahn. Wenn auch erst 1954 von Deutz gebaut, so geht die Grundkonzeption auf die 1930 von der Deutschen Reichsbahn eingeführten leichten zweiachsigen Motorlokomotiven für den Rangier- und Übergabedienst auf kleinen Unterwegsbahnhöfen zurück. Nach zahlreichen Probeserien entstand 1932 ein vereinheitlichtes Konzept für diese Kleinlokomotiven. Von 1948 bis 1965 wurden von der DB insgesamt 736 Kleinlokomotiven dieser Konstruktion nachbeschafft. Dieser großen Serie entstammt auch Köf 6204, die ab 1968 als 322 044 bezeichnet wurde. Die Treibachsen werden von einem 6 – Zylinder – Dieselmotor in Reihenausführung über Rollenketten angetrieben. Die Lok verfügt über ein Flüssigkeitsgetriebe. Da die Maschine bei der DFS in den achtziger Jahren auch im Streckendienst vor Bau- und leichten Reisezügen eingesetzt wurde, erhielt sie ein winterfestes Führerhaus, sowie eine Spurkranzschmierung, um den Verschleiß an Schienen und Radreifen herabzusetzen. Die ursprünglich auf 30 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit wurde durch Änderung der Übersetzung auf 45 km/h erhöht. Die mittlerweile 50-jährige Lokomotive findet bei der DFS vor Bau- und Arbeitszügen Verwendung, bespannt daneben aber auch einen Großteil der „kleinen Dieselsonderzüge“ die mit ein bis zwei Wagen angeboten werden.

Bauart: B-dh
Hersteller: Deutz
Baujahr: 1954
Fabriknummer: 55746
Leistung: 87 kW / 118 PS
Höchstgeschwindigkeit: 45 km/h
Länge über Puffer: 6.450 mm
Achsstand: 2.500 mm
Treibraddurchmesser: 850 mm
Dienstgewicht: 17 t
Kraftübertragung: hydraulisch

Lok 7 – Diesellok V36 123

Die V 36 steht der DFS seit 1990 zunächst als Leihgabe des Verkehrsmuseums Nürnberg zur Verfügung. 2002 wechselte sie in das Eigentum der DFS. Die Lokomotive wurde zehn Jahre nach der DFS – Dampflok 4 (ELNA 6) 1940 ebenfalls bei der “Berliner Maschinenbau-Actien-Gesellschaft” (BMAG) unter der Fabriknummer 11382 für die Deutsche Wehrmacht gebaut. Nach dem Krieg findet sich die Maschine 1950 in den Bestandslisten des Bw Wuppertal-Steinbeck. Von 1951 bis 1972 war die Lok in Bayern in den Bahnbetriebswerken Regensburg, München, Rosenheim, Freilassing und Ingolstadt beheimatet. Ihre aktive Laufbahn beendete die Maschine zum Jahresende 1977 in Stuttgart. Danach gelangte sie in die Obhut des Verkehrsmuseums Nürnberg. In den fünfziger Jahren wurde die Lok mit einer Dachkanzel und einem Hochführerstand ausgerüstet; gleichzeitig erfolgte der Einbau einer Sicherheitsfahrschaltung für den Einmannbetrieb. Von 21 Loks die mit Hochführerstand ausgerüstet wurden, ist die V 36 123 die einzige Überlebende. Alle anderen wurden entweder rückgebaut oder verschrottet. Bei der DFS erhielt V36 123 zusätzlich eine INDUSI – Anlage sowie Zugbahnfunk. Diese Einrichtungen wurden im Rahmen der von der DFS durchgeführten Hauptuntersuchung nachgerüstet. Beide V 36 der DFS sind mit einem 6-Zylinder-Viertakt-Dieselmotor der Motoren-Werke Mannheim (MWM) mit 103 l Hubraum ausgerüstet.

Bauart: C-dh
Hersteller: BMAG
Baujahr: 1940
Fabriknummer: 11382
Leistung: 270 kW / 360 PS
Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h
Länge über Puffer: 9.200 mm
Achsstand: 3.950 mm
Treibraddurchmesser: 1.100 mm
Dienstgewicht: 42 t
Kraftübertragung: hydraulisch